Waldbrand im Mai 26 bei Rynartice

Reinhard Wobst (Zwinki), zwinki2@gmx.de
Letztes Update: @(#) May 16 2026, 19:13:39

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Am Samstag, den 2.5.26, brach gegen 14:00 nach offiziellen Informationen bei Rynartice hinter Jetřichovice (Rynartice liegt hier) ein Waldbrand aus, der sich rasch vergrößerte. Der Rauch war weithin zu sehen, z.B. am späten Nachmittag von der Basteiaussicht:

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(Foto: W.Seher)

Die Meldungen purzelten anfangs munter durcheinander; so wurde behauptet, dass die Brandfläche von 10ha (14:00) sich auf 900ha (17:00) vergrößert hätte. Das erschien mir zweifelhaft, denn der Großbrand 2022 umfasste reichlich 1000ha und sah sehr anders aus. Es stellte sich heraus, dass Drohnenaufnahmen falsch interpretiert wurden - man korrigierte rasch auf 100ha. Das ist immerhin noch soviel wie der 22er Band auf deutscher Seite. Die weißen Rauchwolken ließen auf einen Bodenbrand schließen, obwohl auch von brennenden Kronen berichtet wurde (Kronenfeuer lassen sich kaum bekämpfen).

Auf dieser Seite versuche ich, die Meldungen möglichst kompakt chronologisch zusammenzufassen. Ich stütze mich möglichst auf die Informationen von der tschechischen Feuerwehrseite.

2.5.26

Es war zunächst unklar, wo das Feuer genau brennt. 14 Einheiten waren im Einsatz, drei Hubschrauber angefordert. Fünf Großtankwagen mit je 21m³ Wasser rückten aus, gepanzerte Löschfahrzeuge, ein selbsttragender Tank mit 54m³ Inhalt ...

Der Děčíner Tagesanzeiger meldete, dass schon 15 Uhr die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen wurde, 17 Uhr die Sonderalarmstufe (ich verkneife mir Vergleiche zur deutschen Seite 2022). 18:00 waren es bereits drei Dutzend Einheiten. "Es brennen Bäume einschließlich ihrer Kronen sowie die Streuschicht, also die durch die Zersetzung von Nadeln oder Laub entstandene Bodenschicht. Das Feuer breitet sich unterirdisch aus, weshalb es auf der betroffenen Fläche mehrere Brandherde gibt. Die Feuerwehrleute sind in schwer zugänglichem Gelände im Einsatz."

Gegen einen extensiven Kronenbrand spricht der vorwiegend weiße Rauch, und dieses Foto

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lässt mich an nur unterirdischer Brandausbreitung zweifeln, das sieht eher nach Flugfeuer aus - das Menetekel von 2022, das einen Brand unbeherrschbar macht.

3.5.26

70 Einheiten sind vor Ort, also ca. 500 Feuerwehrleute, und vier Hubschrauber. "Derzeit breitet sich das Feuer vor allem in unwegsamem Gelände aus. Bis zum Einbruch der Dunkelheit wurden intensive Löschmaßnahmen aus der Luft durchgeführt." Drohnen mit Wärmebildkameras überwachen. Fahrzeuge für unwegsames Gelände (auch Quads) sind im Einsatz. Zehn weitere Einheiten sind hinzugekommen - aus Prag, Pardubice, Liberec, Karlsbad und Pilsen und Mittelböhmen. "Der Einsatz wird durch Wind, hohe Temperaturen und brennbares Material erschwert; auf der vom Feuer betroffenen Fläche befinden sich etwa 400–500 m³ Holz."

Bis Abend waren sieben Hubschrauber im Einsatz.

Der Screenshot eines Videos von der Feuerwehrseite zeigt einen typischen Bodenbrand:

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Erstmals gibt es eine genauere Aussage über den Ort der Brandfläche:

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(Quelle: tsch.Nationalpark)

In diesem Gebiet ist "nicht los, absolut nichts", wie Gebietskenner meinen - und das rieche schon wieder nach Brandstiftung wie 2022. Ein Luftbild von 2024 zeigt Fichtenmikado. Eine sog. Heatmap (die ich momentan nicht habe) weist allerdings einen begangenen Weg aus.

Zwei Fotos auf der Feuerwehrseite sehen beunruhigend aus:

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Am zweiten Bild gibt es allerdings Zweifel. Kann das jemand verorten? Angeblich die Flügelwand (Křídelní stěna), aber das wären 10km Luftlinie. Solch extremes Flugfeuer hätte man berichtet.

Von der Kuhstall-Aussicht war am 3.5. kein Rauch mehr zu erkennen.

4.5.26

Drohnen mit Wärmebildkameras überwachten das Gelände, bis 1:00 nachts wehte starker Wind (aus Südost, also in Richtung deutscher Grenze, Luftlinie ca. 5km). Es gelang, die Brandfläche auf ca. 95ha einzudämmen.

Verpflegung und Versorgung der Feuerwehrleute seien gut, betont die Seite.

Der Děčíner Tagesanzeiger meldet:

Genau wie vor vier Jahren erschweren hohe Temperaturen und Wind die Löscharbeiten. „Was die Steilheit, die Komplexität und die Felsigkeit des Geländes angeht, ist die Situation bis zu einem gewissen Grad ähnlich. Ähnlich ist auch, dass das Feuer unweit einer öffentlichen Straße ausgebrochen ist“, erklärte Šalov.

Der Unterschied liegt im Einsatz selbst. Die Nationalparkwächter waren bereits eine Woche vor Ausbruch des Feuers wegen der großen Trockenheit in Alarmbereitschaft. Zweimal täglich überprüften sie mit Hilfe von Drohnen, ob irgendwo ein Feuer wütete. Am Samstagmorgen deutete der Flug nicht darauf hin, dass irgendwo ein Feuer wütete. Der ČTK-Fotograf Ondřej Hájek befand sich am Samstagnachmittag in Rynartice und bestätigte, dass nach Mittag nirgendwo auch nur eine Rauchsäule zu sehen war.
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Noch am Sonntag nutzten die Feuerwehrleute Wasser aus dem Teich in Chřibská, doch laut Vyškrabková ist dies nun nicht mehr möglich. Sie pumpen das Wasser auch aus dem Kyjov-Stausee.
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Die Tschechische Republik hat am Sonntagabend, dem 3. Mai, im Zusammenhang mit dem Brand im Nationalpark Böhmische Schweiz den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert. Der Mechanismus dient dazu, Hilfe bei Notfällen oder Katastrophen zu gewährleisten, die die Kapazitäten des betroffenen Landes übersteigen.

5.5.26

Der Děčíner Tagesanzeiger meldet:

Die Feuerwehrleute setzen die Löscharbeiten in der Böhmischen Schweiz fort ... Die Nacht auf heute verlief aus ihrer Sicht ruhig; mit Hilfe von Drohnen und Kameras suchten sie nach versteckten Brandherden. Auch weiterhin werden Hubschrauber bei der Brandbekämpfung helfen. Nach der Lokalisierung am Montag, die bedeutet, dass sich das Feuer nicht weiter ausbreitet, wurde die Zahl der Feuerwehrleute um ein Drittel auf 370 reduziert.

Der Brand wurde auf 20ha reduziert. 542 Feuerwehrleute waren im Einsatz; insgesamt 8 Hubschrauber warfen über eine Million Liter Wasser ab. Heute sind noch sechs Maschinen im Einsatz. Die großen Black-Hawk-Helis können offenbar 5t Wasser tragen (unsere üblichen Helis 500kg).

Dank moderner Technologien wie Drohnen und fest installierter Kameras gelang es laut einem Sprecher, über Nacht versteckte Brandherde aufzuspüren, die anschließend von den Feuerwehrleuten in dem unwegsamen Gelände gelöscht wurden. Ein Feuerwehrmann wurde wegen Überhitzung medizinisch versorgt.

Und am Nachmittag schreibt sie:

„Leider hat das Feuer auch junge Bestände erfasst. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir mit trockenem Holz umgehen sollen – ob wir es verarbeiten oder nicht“, sagte Umweltminister Igor Červený bei einer Pressekonferenz am Flughafen in Chřibská, von wo aus Hubschrauber zur Brandbekämpfung starten, und fügte hinzu, dass man auf den Klimawandel reagieren müsse. „Ich bin kein Befürworter davon, das gesamte Holz abzutransportieren. Das Holz funktioniert hier nach einem anderen Prinzip als in gewöhnlichen Wirtschaftswäldern. Es handelt sich gewissermaßen um ein Naturschutzgebiet, und wir müssen dort natürlich einen Teil des Holzes wegen der Nährstoffe stehen lassen. Aber wir können es dort nicht in einem solchen Ausmaß stehen lassen“, fügte Minister Červený hinzu.

Er will, sobald sich die Lage beruhigt hat, Vertreter aller vier Parks, Wissenschaftler und Vertreter des integrierten Rettungssystems einladen. Gemeinsam wollen sie dann ein neues Konzept erarbeiten.

(Hervorhebung von mir.)

Die Brandbekämpfung wird einige Dutzend Millionen Kronen kosten (wenige Millionen Euro). Die Freiwilligen Feuerwehren, die Teile ihrer Ausrüstung verloren, werden finanziell unterstützt. Für Schäden im Nationalpark gibt es einen speziellen Font.

Transparent-Vorschlag für die nächste Maidemo (nur für gelernte DDR-Bürger):
Von Tschechien lernen heißt löschen lernen.

6.5.26

Das Brandgebiet ist auf 5ha reduziert worden, es wird nur noch am Boden gelöscht. Der Regen in der Nacht hat geholfen. Das folgende Bild lässt ahnen, wie es hätte ausgehen können, wenn nicht sofort sehr konsequent und effektiv gelöscht worden wäre:

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Quelle

7.5.26

Der Děčíner Tagesanzeiger meldet:

„Heute Morgen waren sieben Berufsfeuerwehreinheiten und vier Freiwillige vor Ort. Sie packen ihre Ausrüstung zusammen und fahren nach und nach ab. Das gilt auch für die Feuerwehrleute aus den benachbarten Bezirken“, erklärte Pelikus. Der Regen kam den Feuerwehrleuten zugute. Es hatte bereits in der Nacht zum Mittwoch geregnet, und heute setzte etwa eine Stunde nach Mitternacht starker Regen ein.

Am Mittwochabend, dem 6. Mai, schätzten die Feuerwehrleute die aktuelle Brandfläche auf etwa zwei Hektar; ursprünglich waren sie auf mehr als hundert Hektar im Einsatz.

In dem schwierigen Felsgelände wurden die speziellen Löscharbeiten am Morgen fortgesetzt. Zur Bekämpfung einiger Brandherde an Felsvorsprüngen, die von oben nicht mit Wasser versorgt werden können, wurden Feuerwehrleute mit Kletterausbildung eingesetzt. „Diese seilen sich an unzugängliche Stellen ab und löschen direkt an der Felswand“, fügten sie hinzu. Auch über Nacht wurden die Brandherde erneut von Drohnen überwacht.

Es ist also so gut wie abgeschlossen. In der "Sächsischen Zeitung" vom 4.5.26 heißt es:

Große Wertschätzung gibt es für das Agieren der böhmischen Nachbarn. „Die tschechische Feuerwehr hat massiv Material und Mannschaft aufgefahren und einen Erstangriff gestartet, der enorm ist“, sagt der Sebnitzer Stadtwehrleiter Björn Hoyer. Davor könne man nur den Hut ziehen.

Die Sächsische Zeitung meldet, dass der Brand nun als gelöscht gilt und das Gelände nur noch von der Nationalparkverwaltung überwacht wird. "Bei der Bewältigung des Brandes hätten die Erfahrungen aus dem Jahr 2022 eine enorme Rolle gespielt, sagte der Generaldirektor der tschechischen Feuerwehr, Vladimir Vlcek. Damals waren mehr als 1600 Hektar betroffen."

Und weiter im Děčíner Tagesanzeiger:

Die Überwachung des Geländes bei Tag und Nacht wird von der Parkverwaltung gewährleistet, die dabei von Kollegen aus dem Böhmerwald und sechs Überwachungsteams der Freiwilligen Feuerwehren unterstützt wird. ... Die Überwachungsteams am Brandort werden mit einem nach dem Großbrand im Jahr 2022 angeschafften Geländewagen mit Löschaufbau sowie einer Drohne mit Wärmebildkamera ausgestattet. Diese Ausrüstung ermöglicht in schwer zugänglichem Gelände eine schnelle Reaktion, falls sich am Brandort Glutnester bilden sollten.

Sollte ich noch eine genauere Karte vom Brandgebiet oder aktuelle Bilder erhalten, reiche ich diese hier nach.